Erste Europa-Tour
Wie alles begann:
Im letzten Jahr bereits flackerte die Idee in mir auf: Eine Reise durch verschiedene Länder Europas. Aber es sollte nicht einfach nur ein Urlaub werden. Ich wollte beruflich reisen und als Künstlerin dementsprechend einen Fußabdruck hinterlassen. Ich liebe Streetart. Nicht einfaches Graffiti, keine Schmierereien, sondern die außergewöhnlichen, einzigartigen Streetinterventions, welche ganze Städte mit einbeziehen und bleibenden Eindruck hinterlassen.

Für große Aktionen ist während solchen Reisen nicht wirklich viel Zeit. Also musste eine Idee her, welche unterwegs schnell umzusetzen sei, aber sich von anderen unterscheiden würde. Keine Sticker, keine Schablonen, kein wildes Plakatieren, keine Sprühdosen. Ich wollte nicht unbedingt das Rad neu erfinden, aber mich auch nicht strafbar machen und vor allem auch nicht langweilig auftreten oder dasselbe tun wie andere Künstler. Am wichtigsten dabei war mir, andere Menschen zu erreichen, genau auf die Art, wie Streetart es in meinen Augen tun sollte. Es sollte Menschen dezent ansprechen, nicht überladen, aber dennoch im richtigen Moment greifen und sie entweder zum Nachdenken anregen oder gar gefühlvoll auffangen. „Ein kleiner Reminder ist perfekt!“ dachte ich mir. Und somit musste ich auch nicht lange überlegen.
Das größte gesellschaftliche Problem, welches ich sehe, ist, dass die allermeisten Menschen an sich selbst zweifeln. Auch ich tat es. Zuvor verbrachte ich Jahre damit, perfekt sein zu wollen für andere. Diese Tatsache hinderte mich immer wieder daran ich selbst zu sein und Wege einzuschlagen, die mich auf lange Sicht eben einfach glücklicher gemacht hätten. Irgendwann, muss doch solch ein Wahnsinn endlich ein Ende haben?!
Du bist perfekt, so wie du bist!
Ich musste auffallen. Meine kleinen Werke, welche ich hinterlassen würde, müsste jeder, absolut jeder aufheben, aus dem Busch ziehen und in die Hand nehmen wollen. Auf dieser Welt gibt es nur eins, wofür sich wirklich jeder die Hände schmutzig machen würde: GOLD
Würde ich also einen goldenen Stein hinterlegen, würde er genügend Aufmerksamkeit erregen. Ein ganzes Kunstwerk darauf, oder gar ein Satz, wie: Du bist perfekt, so wie du bist!, würde von der Größe her darauf wohl keinen Platz finden. Desweiteren, dies wollte ich auch garnicht. Die goldene Hülle eines absolut unperfekten, einfachen Steins, war bereits Botschaft genug. Man könnte die Oberflächlichkeit selbst hinterfragen.

Dennoch musste ein Verweis zu mir her, zu dem Satz oder allgemein zum Sinn der Aktion. Es sollte nicht untergehen. Es sollte ernst genommen werden. Man sollte sehen, dass hinter dieser Aktion ein vollkommen unperfekter, aber selbstbewusster Mensch steht. Ohne goldene Hülle, ohne verlogenen Schein, radikal, ehrlich, aber guten Herzens und mit unendlichem Durchhaltevermögen. Unaufhaltsamer Mut entstand bei mir selbst erst, nachdem ich bewusst entschieden hatte mit dem Perfektionismus zu brechen, denn mir wurde klar, ich war es bereits. Nicht für andere, für mich selbst. Das Ziel waren absolute Selbstakzeptanz und Selbstliebe.

Am einfachsten erschien mir ein generierter Code auf den Steinen. Fast jeder besaß ein Handy, fast jeder kannte QR-Codes. Dieser Code sollte zu einer Hauptseite führen und musste wetterbeständig angebracht werden. Ich beschloss also kurzerhand einfach mein privates, absolut unperfektes Künstlerprofil dafür zu nutzen, druckte die Codes auf einfaches Papier, laminierte sie auf die einfachste Weise und nutzte einige Tropfen Epoxidharz, um diese daran zu befestigen. Schön und ordentlich war etwas anderes, aber im Grunde gehörte genau das zu meiner neuen Handschrift dazu. Roh, einfach, schnell, impulsiv, gefühlvoll.
Die Kunst war geplant, die Botschaft stand fest. Es fehlte die Erklärung. Ich nahm von unterwegs, nach einem Besuch bei der Familie, ein kurzes Video auf. Ich zeigte Steine und Karten und erklärte die Streetart-Intervention. Ziemlich am Anfang betonte ich extra, die Steine seien keine einfachen Steine, sondern wertvolle Kunstgegenstände. Ich würde 20 goldene Steine in ausgewählten Städten beschriften. Immer je 2 datieren und signieren und jeweils 10 dort auf den Straßen Europas hinterlassen. Die 10 anderen „Zwillingssteine“ würde ich mit zurück nach Deutschland nehmen und diese in Gallerien ausstellen. Die Karten dienten zur Unterstützung der Suche nach den Steinen und als zweiten wichtigen Punkt: Um internationale Künstler zu finden.

Ja ich plante nämlich bereits ein weiteres GROẞES Projekt. Ein markenrechtlich geschützes Kunst- und Kulturprojekt, die „International Open Air Gallery“, welches sich zu einer gGmbH entwickeln würde. Dauerhaft, deutschlandweit und mit den Besten internationalen Künstlern weltweit! Dazu mehr in einem seperatem Beitrag.
Binnen weniger Tage erstellte ich 1500 Karten. Kleine Kunstwerke und Open Calls für Künstler. Diese beschriftete und nummerierte ich zum größten Teil, laminierte sie und schnitt sie per Hand mit einer Schere. Ich packte die Steine ein, mein Bad Painting Baby 1 und stapelte vor Abfahrt die fast fertigen Karten.
Hinter den Kulissen begann ich mit dem Färben weiterer 500 Steine. Hinter den Kulissen wurden Videoaufnahmen geplant, Abläufe und die Route. Die Länder waren gewählt, jeder Halt und jede Übernachtung wurden sorgfältig überlegt, gut durchdacht und selbst das Gepäck hatte ich schon fast fertig gepackt, doch dann…
Dann fiel mir eine wichtige Sache ein und ich musste dringend etwas ändern 😂😅🙈🤷♀️
Was es war, erfährst du im nächsten Beitrag. 😉😜