Wenn Perfektion brennt und Kunst den Raum einnimmt

Aus meiner eigenen Befreiung erwachte die Inspiration für ein internationales Projekt.
Lange Zeit bedeutete Kunst für mich vor allem eines: Perfektion und Kontrolle. Nach zwei Jahrzehnten in der Welt der präzisen, makellosen Illustration und ästhetischen bildenden Kunst, habe ich eine radikale Entscheidung getroffen. Ich habe die Werkzeuge der Kontrolle weggelegt, um die echte Sprache der Seele zu finden. Mein Artjournal Bad Painting Baby #1 ist nicht am Zeichentisch entstanden – es ist das direkte Resultat meiner persönlichen Metamorphose. Weil ich diesen Weg der Befreiung selbst gegangen bin, kenne ich die rohe Kraft, die im „Bauschutt“ der Transformation liegt.
Dieses Skizzenbuch war das forensische Protokoll meines eigenen Ausbruchs. Doch die Energie blieb dort nicht stehen. Aus diesem intimen Befreiungsprozess ist ein großes, weitreichendes Konzept erwachsen, das ich nun als Künstlerin, Initiatorin und Kuratorin in die Welt trage: die International Open Air Gallery.

Vom Skizzenbuch auf die Straße: Die International Open Air Gallery
„Skizzenbücher sind für mich grundsätzlich immer die Hauptwerke. Manchmal entstehen aus ihnen heraus aber auch größere. Die International Open Air Gallery ist mein größtes Werk.“
Seka B.
Der Ausbruch aus den transparenten Gitterstäben
20 Jahre lang bestand mein Handwerk darin zu gefallen, perfekt zu funktionieren und Erwartungen anatomisch exakt zu spüren. Doch Perfektion kann zu einem unsichtbaren Gefängnis werden – zu transparenten Gitterstäben im Kopf. Mein Bad Painting Baby #1 war mein Befreiungsschlag.
In diesem fortlaufenden Prozessprotokoll verweigere ich mich bewusst der gelernten Perfektion. Wo früher die makellose Linie dominierte, lasse ich heute die Farbe explodieren. Ich übermale Gesichter, zerschneide Strukturen und schichte rohe, ungefilterte Emotionen auf das Papier. Es ist das, was die Kunstwelt Radikale Subjektivität nennt: Kunst, die nicht das abbildet, was das Auge sieht, sondern ein visuelles Psychogramm dessen ist, was in der Psyche passiert.

Bauschutt als Nährboden der Transformation
Wenn man ein altes Leben aufbricht, entsteht Trümmerarbeit. Ich betrachte meine Vergangenheit jedoch nicht als Last, sondern als kostbaren „Bauschutt“. Jede einzelne Linie, die ich in den letzten zwei Jahrzehnten gezogen habe, ist das unsichtbare Fundament, auf dem diese neuen Arbeiten ruhen.
In meinen Editionen sieht man genau diesen Kampf: Das technische Können schimmert durch, wird aber von pulsierenden Farbmassen überrannt. Es ist eine bewusste, kreative Regression. Ich gehe zurück in das Chaos des Unfertigen, um die Erstarrung der Perfektion zu heilen.

Die Königsdisziplin: Der kontrollierte Sturz
Sich vor den Augen der Welt einfach mal fallen zu lassen und sich auf dem Papier selbst wieder aufzufangen – das ist für mich die Königsdisziplin der zeitgenössischen Kunst.
Es erfordert unendlichen Mut, den vertrauten Boden zu verlassen. Aber genau da passiert es: Wenn die alten Gitterstäbe verblassen und die ersten neuen Hoffnungsschimmer aufflackern, entsteht eine völlig neue, vitale Freiheit.
Diese gewonnene Freiheit bricht nun aus den Seiten des Journals aus. Um der Transformation einen unübersehbaren Raum zu geben, habe ich die International Open Air Gallery ins Leben gerufen und dieses Projekt markenrechtlich schützen lassen.
Ich ziehe dieses Vorhaben in einer klaren Dreifaltigkeit auf:
Als Künstlerin exekutiere ich den rohen, ehrlichen Ausbruch auf dem Papier und an den Wänden.
Als Initiatorin treibe ich die Bewegung voran, bringe die Kunst in den öffentlichen Raum und schaffe gigantische Freiflächen für den urbanen Diskurs.
Als Kuratorin ordne, rahme und präsentiere ich diesen kreativen Prozess so, dass er für die Öffentlichkeit zu einer greifbaren Erfahrung wird.
Mein Blick geht dabei weit über das Hier und Jetzt hinaus: Die International Open Air Gallery ist so konzipiert, dass sie das Fundament für bleibende, größere Strukturen bildet – mit der festen Perspektive, diese Reise irgendwann in eine gGmbH und letztendlich in eine eigene Stiftung zu überführen, um künstlerische Befreiungsprozesse im öffentlichen Raum dauerhaft zu fördern.

Ein Blick in die Black Box
Jede Seite im Bad Painting Baby ist das rituelle Artefakt, das diesen weltweiten Aufbruch erst möglich gemacht hat. Es sind ungeschönte Einblicke in Herz und Kopf, festgehalten mit echten Farberhebungen, Spuren von traditioneller Tinte und der puren Energie des Neuanfangs.
Ich lade dich ein, Zeuge dieses Prozesses und Teil dieser Bewegung zu werden. Denn am Ende des Bauschutts wartet nicht das Chaos – sondern die radikale, unzähmbare Freiheit der Kunst, die sich ihren Platz auf den Straßen der Welt nimmt.

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